„Habt ihr noch Klopapier?“, fragte ein süßer kleiner Vogel, der zur Zeit des Shutdowns viral ging. Für uns ist diese Zeit zwar lange vorbei, aber sie hinterließ Spuren: Seitdem ist nämlich der Preis für ein Zehnerpack des vormals günstigen Papiers auf fünf Euro geklettert. Das war der Moment, ab dem ein unverstandener und wenig beachteter Gegenstand die Bäder zurückeroberte: das Bidet.
Wozu ist das eigentlich gut, so ein Bidet? Manche kennen es noch vom Badezimmer der Großeltern, wo es meist nur herumstand und Staub ansetzte. Zu Unrecht, denn das Sitzwaschbecken für die Intimhygiene kann eine Menge. Es reinigt effektiv mit frischem warmem Wasser, schont die Haut, sorgt für Wohlgefühl – und spart 80 bis 90 Prozent an Toilettenpapier ein. Im Schnitt verbrauchen wir davon pro Person im Jahr 30 Kilo. Weil für Familien das Jahresbudget schnell in die Hunderte geht, rentiert sich ein Bidet erstaunlich schnell.
Badinventar mit eigener Kulturgeschichte
Erfunden wurde das Bidet im Frankreich des 17. Jahrhunderts und war zunächst eher der Bourgeoisie vorbehalten. Heute ist es dort, und mehr noch in Italien, Portugal, Japan oder Brasilien, ein fester Bestandteil des Badinventars, während es bei uns lange keinen besonders guten Ruf hatte. Viele kannten es halt nicht; ohnehin redete man über Intimhygiene nicht unbedingt gerne. Und es gab ja schon Duschen.
Dabei hat die Benutzung eines Bidets eine Reihe von Vorteilen: Es ist auch für weniger Mobile gut zu benutzen. Das betrifft nicht nur Ältere, sondern auch Schwangere oder Menschen mit Behinderung. Empfohlen wird die Reinigung auch bei einer Reihe von Darmkrankheiten, nach Operationen oder bei empfindlichem Gewebe.
Das moderne Bidet ist fast schon ein Spa
Weil die Renaissance des Bidets stilvoll sein soll, sind die Modelle genauso stylisch wie das andere Inventar: wandhängend, klar designt, in runden oder eckigen Formen. Und natürlich bieten sie weit mehr als warmes Wasser: Einstellbare Spülmuster und selbstreinigende Düsen, Warmluft zum Trocknen und beheizte Sitzflächen sind bei Premium-Modellen Standard. Da wird die Hygiene zum Spa-Erlebnis.
Wer den Platz für ein Bidet nicht hat oder den Einbau scheut, kann sich für eine Aufsetzvariante entscheiden. Diese wird auf die Toilette installiert und bietet durchaus guten Komfort. Hier kommen die Hersteller den Kunden allerdings bereits von der anderen Seite entgegen – mit Dusch-WCs, die einen integrierten Spülarm haben, und die gleichfalls immer beliebter werden.
