Kennen Sie das Horta-Museum in Brüssel? Diese herrschaftliche Jugendstilvilla, die der belgische Architekt Victor Horta einst für seine eigene Familie baute, weist ein sehr interessantes Detail auf: Im Nachtschrank seines Bettes ließ er ein Urinal einbauen, damit er nachts keinen weiten Weg auf die Toilette hatte. Diese Idee setzte sich letztlich nicht durch – aber im eigenen Zuhause hat ein Urinal tatsächlich unbestreitbare Vorteile. 

Als Sanitärunternehmen haben wir einen gewissen Blick für Trends – und selbst wenn dieser eher zart zu spüren ist, bemerken wir, dass Urinale heute viel aufgeschlossener betrachtet werden als noch vor wenigen Jahren. Lange waren sie Räumen vorbehalten, in denen hohes Personenaufkommen herrschte: etwa in öffentlichen Gebäuden, Büros oder Gastronomie. Dafür war es im Grunde auch erfunden worden. 90 Prozent der öffentlichen Toilettengänge sind dem „kleinen Geschäft“ vorbehalten, und man spart viel Zeit, Platz und Reinigungsaufwand mit der Installation von Pissoirs.

Ein Pissoir im eigenen Haus? Vieles spricht dafür

Diese Vorteile gelten natürlich auch im privaten Bereich. Das wird der Grund sein, warum die Nachfrage langsam, aber stetig anzieht. Denn auch zuhause legt man viel Wert auf Hygiene. Und ständig belegte Toiletten sind auch in Familien nicht immer eine schöne Sache. Ein Urinal benötigt nicht einmal viel Raum: Viele Bäder und Gäste-WCs haben durchaus Platz dafür. Vorbehalte sind wohl eher darauf zurückzuführen, dass der Anblick eines offenen Beckens vielen nicht unbedingt behagt, weil sie den Eindruck einer „öffentlichen Toilette“ scheuen.

Aber es tut sich etwas. Längst gibt es Urinale mit Deckel. Und selbst wenn dieser fehlt: das Design auch offener Varianten ist häufig durchdacht und stilvoll. Gegenüber einer Sitztoilette hat das Urinal zudem eine Reihe von praktischen Vorzügen:

  • Hygiene: Beim Wasserlassen entsteht kein direkter Kontakt zur Keramik – und Urinale lassen sich mit geringem Aufwand reinigen. Dies ist vor allem dann eine sehr elegante Lösung, wenn ansonsten die Toilette im Stehen benutzt wird.
  • Platz: Mit Ausmaßen von 50 mal 30 mal 35 Zentimetern nimmt ein Urinal sehr wenig Raum ein. Es kann auch dort installiert werden, wo für eine Toilette kein Platz wäre.
  • Bequemlichkeit: Eine mehrköpfige Familie – vielleicht noch mit häufigem Gästebesuch – profitiert sehr davon, wenn die Badbelegung kurz bleibt. Und für manche Nutzer ist ein Pissoir eine große Erleichterung. Viele ältere Männer haben zum Beispiel Schwierigkeiten im Sitzen zu pinkeln.
  • Kostenersparnis: Der Wasserverbrauch je Toilettengang beträgt weniger als die Hälfte dessen, was bei einem WC mit Spülkasten zu Buche schlägt: zwei bis drei statt sechs Liter. Es gibt auch ganz wasserlose Modelle, diese sind aber für den Privatbereich weniger geeignet.

Nicht nur im Badezimmer, nicht nur für Männer

Beim Einbau eines Pissoirs mit Spülung sind dagegen Zu- und Ablauf zu berücksichtigen. Dies lässt sich vor allem bei Neubau und Badsanierung gut planen; ein nachträglicher Einbau ist relativ aufwändig. Allerdings ist der Platz für ein Urinal nicht zwingend im Badezimmer – manchmal sind auch Keller- oder Garagenräume dafür gut geeignet. Wichtig ist nur, den Spritzbereich zu fliesen und einen Abstand von 20 Zentimetern zu anderen Installationen, zum Beispiel dem Waschbecken, einzuhalten.

Übrigens muss es nicht unbedingt ein hoher Anteil an Männern im Haushalt sein, der die Entscheidung für ein eigenes Urinal antreibt. Klar: manche wollen sich einfach nicht setzen – und überlassen auch das Putzen gern anderen. Wer auch den Frauen im Haus die Benutzung möglich machen möchte, kann entweder auf Damenurinale oder – vielleicht am praktischsten – Unisex-Modelle zurückgreifen.

Bildquelle: Vailant

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