Öl und Gas – das darf jetzt wieder jeder einbauen, so hat es die Regierung versprochen und umgesetzt. Warum freut sich trotzdem kaum jemand? Weil Hauseigentümer nicht in die fossile Kostenfalle laufen wollen. Wer kann, steigt auf Wärmepumpen um. Aber für Immobilien, die günstig liegen, bietet sich noch eine Alternative an: die Fernwärme. Gerade für Mehrfamilienhäuser in dicht bebauten Vierteln ist das ein Glücksfall, denn dort sind Wärmepumpen immer noch mit technischen Herausforderungen konfrontiert.
Spoiler vorab: Nicht jeder bekommt Fernwärme, der es möchte. Denn dafür muss die Infrastruktur erst einmal unter der Straße liegen. Aber die Stadt Köln hat sich vorgenommen, die Versorgung konsequent auszubauen. Mehr noch: Die Kraftwerke, die die Fernwärmeleitungen speisen, werden nach und nach zu nachhaltigeren Versorgungszentralen ausgebaut und erhalten regenerative Komponenten zur Energieerzeugung.
Ist Fernwärme wirklich nachhaltig?
Und so kommt über die Fernwärme auch die Wärmepumpe zum Einsatz, denn zwei der fünf liefernden Heizkraftwerke verfügen schon über Großwärmepumpen, im Niehler Hafen steht sogar die derzeit größte ihrer Art in Europa. In Merheim, dem einzigen rechtsrheinischen Kraftwerk mit Fernwärme, gibt es dafür Speicheranlagen und Solarthermie. Die beiden Niehler Standorte haben nach Modernisierung einen Nutzungsgrad von 90 Prozent erreicht. Damit wird auch in Köln Fernwärme insgesamt sauberer.
Wo in Köln liegt Fernwärme-Infrastruktur?
Ausgehend von den Kraftwerken in Niehl, Merkenich, Merheim und der Südstadt verlaufen die Fernwärmerohre häufig entlang prominenter Großabnehmer. Im Norden führt die Hauptstrecke in die Ford-Werke, biegt dann nach Westen ab, wo Industrie und Gewerbe, aber auch die Großwohnsiedlungen von Chorweiler versorgt werden, und verzweigt sich dann einmal nach Ossendorf und einmal nach Bocklemünd. Wir von Elektro Raabe sind gerade eben noch nicht versorgt, aber die neuen Siedlungen am Butzweilerhof wurden bereits angeschlossen.
Ein flächendeckendes Netz gibt es nur in der Innenstadt. Von dort aus bestehen bereits Strecken nach Ehrenfeld, Lindenthal, Zollstock und Marienburg, der Rhein wird zweimal unterquert, sodass Deutz und ein guter Teil von Mülheim versorgt werden. In Merheim gibt es eine Versorgungsinsel, die die Kliniken, die Madaus-Siedlung und Neubrück umfasst. In den nächsten Jahren sollen zwei Milliarden Euro in die lokale Energie-Infrastruktur fließen, darunter Strom- und Fernwärmenetze und eine einzigartige Flusswasser-Wärmepumpe, die sich bereits im Bau befindet.
Was passiert im Keller, wenn man auf Fernwärme umsteigt?
Der Anschluss an das Fernwärmenetz ist eine Lösung, die im Keller Platz schafft: Statt eines eigenen Heizungskellers installieren wir einen Übergabepunkt, der nicht größer als ein Hängeschrank ist und nur 6 Quadratmeter Raum für den Zugang braucht. Das teils über 100 Grad heiße Wasser erwärmt die hauseigenen Kreisläufe für Heizung und Warmwasser über Wärmetauscher, das heißt, es kommt nicht in Kontakt mit dem Wasser im Haus. Die Installation bedeutet großes Kaliber, ist aber technisch nicht kompliziert:
- Über eine Kernbohrung wird der Hausanschluss gelegt und das Rohr abgedichtet.
- Die Station wird montiert, vorzugsweise an die Wand zur Straße.
- Das Hausnetz wird an die Station angeschlossen.
- Zum Schluss bauen wir die bestehende Heizung ab, entsorgen sie und spülen das System.
Im Ergebnis entsteht eine nahezu wartungsfreie, platzsparende und nachhaltige Lösung, die außerdem den Immobilienwert steigern kann. Fernwärme wirkt sich häufig positiv auf den Energieausweis aus – je nachhaltiger die Energiequelle, desto mehr.
Ist Fernwärme preisgünstig?
An den Investitionen beteiligt sich die öffentliche Hand in der Regel großzügig: Zwischen 30 und 70 Prozent der Kosten können über Förderungen abgedeckt werden. Im besten Fall kommen kommunale oder Landeszuschüsse hinzu. Der Bezugspreis liegt derzeit meist höher als bei gut eingestellten Gasheizungen – wirklich preisgünstig ist die Energieform daher noch nicht. Angesichts drastisch steigender fossiler Energiepreise könnte sich dies aber bald ändern.
Die Kölner Tarife liegen im Vergleich zu anderen Stadtwerken in NRW im leicht unterdurchschnittlichen Bereich. In die Rechnung einbeziehen sollte man in jedem Fall die geringeren Unterhaltskosten der Anlage und den Wegfall der Kosten für den Schornsteinfeger. Eine genaue Berechnung ist in verschiedenen Vergleichsportalen möglich. Es empfiehlt sich ohnehin, eine Finanzübersicht zu erstellen, bevor der Anschluss beauftragt wird. Das gleiche gilt natürlich auch für den Förderantrag an die KfW.
